Jennifer Baumeister

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Comfort Xxl - die Trostmaschine

 

Die Trostmaschine Comfort XxL ist ein umfunktioniertes ehemaliges Videospielgerät aus den 80er Jahren. In den Gerätekasten ist ein Computer eingebaut, auf dessen Festplatte sich Videoaufnahmen von Personen unterschiedlicher Herkunft, Lebensweisen und Altersgruppen befinden, die tröstende Worte sprechen.
Der Besucher kann per Knopfdruck wählen, welche Sprache er hören, und ob er von einer Frau, einem Mann oder einem Kind getröstet werden möchte. Der Automat sucht dann nach Zufallsverfahren einen Clip aus und spielt ihn ab. Diese Prozedur kann der Benutzer, so lange und so oft er es für nötig hält, unentgeltlich wiederholen. So kann man beispielsweise von einer 70-jährigen Rentnerin, einem 50-jährigen Versicherungsverkäufer, einem 6-jährigen Mädchen, einem Obdachlosen oder einem Pfarrer getröstet werden.

Ziel der Installation ist es, den Betrachter einerseits mit dem Thema Trost zu konfrontieren, ihn dazu anzuhalten, darüber nachzudenken, wie er selbst tröstet, was am Trost wichtig ist und warum man tröstet; andererseits gibt es ihm die Möglichkeit, auf spielerische Weise in die Gedankenwelt anderer zu schauen.

In jedem tröstenden Wort schwingen die Erfahrungen und die Persönlichkeit des Sprechers mit. So vermittelt die Maschine, durch die Natürlichkeit und Unprofessionalität der tröstenden Personen, durch deren Ernsthaftigkeit, durch die häufig bekannten, verständlichen Themen und nicht zuletzt durch die unkomplizierte Direktheit der tröstenden Worte eine Menschlichkeit, der man sich nur schwer entziehen kann.

Jennifer Baumeister begann mit der Arbeit im Januar 2004. Sie interviewte unter anderem Sozialpädagogen, Künstler, BVG-Angestellte, Psychotherapeuten, Kleriker, Alkoholiker, Studenten, einen Archäologen, Mütter und Hausfrauen, Rentner, einen Fernsehreporter, einen Karatetrainer, einen Koch, einen Kulturmanager, Schüler, Kinder und Obdachlose. Aber auch Leute auf der Strasse sprach sie spontan an. Nachdem sie die Maschine fertiggestellt hatte, fragte sie bei verschiedensten Institutionen und öffentlichen Einrichtungen an, ob es möglich wäre, Comfort XxL dort aufzustellen. Von den über sechzig angefragten Stellen sagten letztendlich sieben zu, und so reiste die Trostmaschine von August bis Oktober 2004 durch Berlin.

Anschließend reiste die Künstlerin im Dezember 2004 nach Pécs (H) und erstellte vor Ort eine weitere Version der Trostmaschine mit wiederum 100 ungarischen Personen aus unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen und verschiedenen Altersstufen. A vigasztalógép Comfort XxL war anschließend in Ungarn und der Slowakei unterwegs (unterstützt durch die Robert Bosch Stiftung, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland and dem Lenau Haus).
In der Zukunft sind weitere Ausführungen der Maschine in verschiedenen Ländern geplant. Dies soll nicht nur auf die globalisierte Gesellschaft von heute hinweisen, sondern vor allem einen Einblick in verschiedene Kulturen geben - eine Betrachtung der Ähnlichkeiten und Unterschiede des Tröstens.


VIDEO
Beispiele

 

Danke an alle, die mir geholfen haben dieses Projekt zu realisieren - insbesondere an Guido Beissert für die hervorragende Programmierung!